Verdener Gespräch: “Bildungswüste Niedersachsen?“

Trotz massenhafter Proteste haben CDU und FDP die Änderungen des Schulgesetzes beschlossen!
Sie ist da die wohlverdiente Sommerpause für die Schülerinnen und Schüler, für die Familien, für die Abgeordneten. Doch die Freude bleibt getrübt, denn trotz massenhafter Demonstrationen hat CDU- FDP Landesregierung die Schulgesetzänderung beschlossen. Am 17. Juni demonstrierten laut Auskunft des Landesschülerrates 53 000 Schülerinnen, gegen den Leistungsdruck, für kleinere Klassen, für mehr Lehrer. Vor allem aber richtet sich der Protest, der von Eltern und Lehrern unterstützt wird, gegen das neue Schulgesetz, dass die Gesamtschulen zum Turbo Abitur zwingt.
Auch im Landkreis Verden demonstrierten über tausend Menschen gegen die Änderungen im Schulgesetz. Dennoch blieben all die Proteste ungehört, Die Opposition sprach von der Arroganz der Macht und ideologischer Verbohrtheit . Während der Ministerpräsident Wulff von „Bildungslandschaften Niedersachsen“ spricht, sprechen Elternräte von der „Bildungswüste Niedersachsen“.
Die Kreistagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen stellt fest : Mit der jetzigen Schulgesetzänderung werden die Kinder zu einem noch früheren Zeitpunkt in Schubladen sortiert. Die Hürden für den Besuch einer integrierte Gesamtschulen wurden noch höher gesetzt. Die Schulform, die ein möglichst langes gemeinsames Lernen und möglichst hohe Durchlässigkeit und Flexibilität anbietet und eine echte strukturelle und pädagogische Alternative für die Eltern ist, wurde weiter ausgehöhlt. Denn das mehrgliedrige Schulsystem bedeutet Leistungs-, Noten- und Konkurrenzdruck von der Grundschule an. Klassengrößen von 30 und mehr Schülern erzeugen ein Klima der Anomymität. Zwischen LehrerInnen und SchülerInnen kann keine persönliche und dem Lernen und Leben förderliche Beziehung entstehen. Angst, Neid, Mobbing sind die Folgen. Das Familienklima leidet. Oftmals führen schlechte Noten zu Demotivation, zu Lernblockaden oder zur Verweigerungshaltung. In den letzten Jahren wurden Selektion und Leistungsdruck enorm verschärft: G8 , Studiengebühren, Verschuldung des Studiums durch Bachelor /Master. Es fehlen Hunderttausende von Lehrstellen in Deutschland. Hauptschüler haben so gut wie keine Chance mehr auf einen Ausbildungsplatz. 70 000 Schüler und Schülerinnen verlassen jedes Jahr- das ist jede/r fünfte- die Schule ohne Abschluss. Dies ist das Armutszeugnis des selektiven Schulsystems. Wir Grünen stehen für eine andere Bildungspolitik, wir wollen:
Selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck, freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren
Ganztagsschulen als Regelschulen mit Angeboten im kreativen, handwerklichen, sportlichen und musischen Bereich, ein gesundes, kostenloses Mittagessen für alle
Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems – gemeinsames Lernen in einer inklusiven Gemeinschaftsschule bis zum zehnten Schuljahr
Auch wenn die Hürden für gemeinsames Lernen durch die Schulgesetzänderung noch höher gesetzt wurden, werden wir weiter für Reformen kämpfen. Denn wir wollen nicht, dass Kinder zu Schulformen passen, sondern wir Grünen wollen, dass die Schulen zu unseren Kindern passen.
Die Kreistagsfraktion wünscht allen Leserinnen und Lesern sonnige Ferien!
Karin Labinsky-Meyer, Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen