Zum kreiseigenen Förderprogramm Wildblumen schreibt Frank-Peter Seemann, Kreistagsabgeordneter der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen
In der Kreistagssitzung am 29. März steht die Beratung und Beschlussfassung des kreiseigenen Förderprogramms Wildblumen auf der Tagesordnung.
Dieses sog. „Wildblumenprogramm“ geht auf einen gemeinsamen Antrag der Fraktionen von CDU und SPD vom 14. September 2018 unter dem Motto „Blühflächen überall – dem Insektensterben aktiv begegnen“ zurück.
Wenn CDU und SPD sich für den Naturschutz einsetzen, ist das lobenswert und zu begrüßen. So werden grüne Ziele noch stärker in die Öffentlichkeit gebracht.
Eine Bedingung dieses Wildblumenprogramms ist unter Ziffer 4 die Übernahme der ordnungsgemäßen Bodenvorbereitung und Aussaat des Blühpflanzengutes und Sicherstellung der Aufwuchspflege durch die Antragstellenden.
Als Voraussetzung der ordnungsgemäßen Bodenvorbereitung muss zwingend der Verzicht von glyphosathaltigen Unkrautvernichtungmitteln explizit geregelt werden.
Glyphosat ist das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Welt und ein sogenanntes „Totalherbizid“. Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt. Bekannt ist es vor allem unter dem Markennamen „Roundup“, ein Produkt des US-Saatgutkonzerns Monsanto, den die Leverkusener Bayer AG vor über einem Jahr für umgerechnet etwa 55 Milliarden Euro erworben hat.
Allein bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11.200 Klägern zugestellt.
Im ersten Fall des Krebspatienten Dewayne Johnson im August 2018 hat ein Gericht in den USA einen direkten Zusammenhang von Glyphosat und der Krebserkrankung des Klägers Johnson hergestellt.
Erst kürzlich hat ein weiteres US-amerikanisches Jury-Gericht in einem zweiten Fall entschieden, dass das von Monsanto produzierte Unkrautvernichtungsmittel Roundup ein „substantieller Faktor“ für die Entstehung der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman war, ohne eine Schadensersatzsumme zu beziffern.
Der Aktienkurs des DAX-Konzerns Bayer ist daraufhin allein am 20. März um etwa 10 Prozent gefallen und damit massiv eingebrochen. Die Bayer-Aktie hat in einem Jahr etwa ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.
Auch vor der Regierungszeit von Donald Trump als US-Präsident ist die USA – anders als Deutschland – nicht gerade als Vorbild für Umweltschutz gesehen worden. Umso mehr wirken die weiteren Zulassungen glyphosathaltiger Pestizide durch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) angesichts der Gerichtsentscheidungen aus den USA immer unverantwortlicher.
Auf Kreisebene müssen wir als Kreistagsabgeordnete mehr Verantwortung übernehmen und uns gemeinsam einsetzen für Wildblumen und gegen Glyphosat.